Prof. Dr.-Ing.
Franz Reuleaux (1829-1905)
 
Franz Reuleaux (1829-1905)
 
 
Der gelernte Ingenieur Franz Reuleaux (1829-1905) entstammte einer Technikerfamilie und erlernte den Maschinenbauberuf von der Pike auf. Er bemühte sich vor allem darum, aus dem Maschinenbau eine exakte und systematisch erfassbare Wissenschaft zu machen. Er gilt noch heute als Vater der Kinematik. Hineingeboren in eine Technikerfamilie, war sein Lebensweg bereits vorgezeichnet. Er absolvierte 1850-52 das Karlsruher Polytechnikum. Nach einer Maschinenbaulehre und dem Studium der Maschinenbaukunde, arbeitete er als selbstständiger Ingenieur in einer Kölner Maschinenbaufabrik. Seine Ausbildung ergänzte er mit philosophischen und anderen Studien an den Universitäten Berlin und Bonn. Im Jahre 1856 wurde er Professor am Züricher Polytechnikum. Hier lehrte er Maschinenbau und schrieb sein Buch "Der Konstrukteur". Sein Ziel war, eine exakte Maschinenwissenschaft zu entwickeln. 1864 ging er nach Berlin, wo er 32 Jahre als Lehrer und Mitglied der technischen Deputation an der Gewerbeakademie, dann als deren Direktor (ab 1868) und ab 1879 als Professor an der TH zu Berlin tätig war. Er verband Lehre mit Forschung und ermutigte die Studenten, Spezialwissen durch breite Bildung zu ergänzen. Als sein Hauptwerk gilt die "Theoretische Kinematik". In Wort und Schrift fiel er durch Kreativität und Sprachfantasie auf. Wichtige Technikbegriffe kommen aus seiner Feder. Er war kritischer Begleiter der Industrieentwicklung. Er forderte Qualitätsproduktion, denn sie sei ein Beschäftigungsprogramm für junge Ingenieure. 1896 schied er im Streit aus der TH aus, er galt als "unzeitgemäß". Abgesehen von seinen Tätigkeiten als Unternehmer und Wissenschaftler verschaffte er sich auch anderweitig hohes Ansehen. So wurde er 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia zum Vorsitzenden der Deutschen Jury ernannt. In den 1880er Jahren war er an der Erstellung eines einheitlichen Patentgesetztes beteiligt. Darüber hinaus engagierte er sich im Kunstgewerbe, verfasste Reisebeschreibungen und Gedichtübersetzungen und war Mitbegründer der Technikphilosophie. In Theoretische Kinematik beschäftigt sich Reuleaux mit der bis dahin kaum behandelten Lehre von der Bewegung von Punkten und Körpern. Diese Arbeit fand soviel Anklang, dass sie schnell ins Französische, Englische und Italienische übersetzt wurde. 1912 wurde ihm ein Denkmal gesetzt, das noch heute auf dem Südgelände der TH Berlin hinter dem Hauptgebäude zu finden ist.